14.03.2007
Kommentar zum Artikel in Süddeutsche Zeitung vom 14.3.2007
"Das Ende der NATO" von Christoph Schwennicke
Die Pandora-Büchse ist geöffnet
Der Artikel öffnet die Pandora-Büchse, indem er hinsichtlich der
NATO auf eine verhängnisvolle Außenpolitik der vollendeten Tatsachen
eingeht, die seit langem geschieht und gar nichts mit den Vereinten
Nationen zu tun hat, mindestens was die UN-Rechtsnormen betrifft.
Stimmt, die NATO hat den Verteidigungsfall im Bündnis ausgerufen nach
den Anschlägen in den USA im September 2001, allerdings nicht
gemäß des NATO-Vertrags. Der NATO-Bündnisfall ist deshalb nicht
rechtskräftig eingetreten, sondern er wurde unilateral von dem
höchsten NATO-Beamten erklärt, nämlich NATO-Generalsekretär,
George Robertson, der nicht die NATO ist. Als Administrator war seine
Funktion weit davon entfernt eine Entscheidungsfunktion zu sein, vor
allem wenn es um Krieg oder Frieden geht.
Für Entscheidungen sind die Verteidigungsminister der Mitgliedsstaaten
zuständig. Also der NATO-Rat. Der damalige oberste
NATO-Verwaltungschef, Generalsekretär George Robertson stellte sich
allem Anschein nach über seine Kompetenzen und somit über alle
Mitgliedsstaaten der Organisation, die USA eingeschlossen, indem er eine Presse-Konferenz abhielt, um den Bündnisfall zu erklären (Meldungen von 2.10.01), aus welchen Gründen auch immer. Bekannt ist, es gab damals keine konkrete Aufforderung der USA für einen Bündnisfall, den die USA betrifft. Der USA-Repräsentant war nicht einmal anwesend bei dieser seltsamen Allein-Erklärung des Briten. Es ist auch nicht bekannt, ob der NATO-Rat zusammengetroffen war, bevor diese öffentliche Erklärung des britischen Administrator zustande kam.
Aber bekannt ist: Weniger als eine Woche zuvor kam es gerade nicht zur
Erklärung des "Bündnisfalles" im Verlauf der NATO-Ratssitzung am
Mittwoch 26.9.01 in Brüssel: Die NATO-Verteidigungsminister traten
zusammen, in Anwesenheit des amerikanischen Repräsentanten, um bei
Vorlage von Beweisen den Bündnisfall zu beschließen, aber die USA
legten entsprechende Dokumente nicht vor, ob sie nun existierten oder
nicht.
Dieses wichtige Ereignis wurde in den Medien unterschlagen. So
erklären sich heute die falschen Behauptungen von Christoph
Schwennicke, der offensichtlich den realen Verlauf der Ereignisse
ignoriert, die den damaligen sogenannten Bündnisfall betreffen. Oder
die Medien waren und sind immer noch nicht vorbereitet, die Umstände
richtig zu deuten.
Gez.
Luz María De Stéfano de Lenkait,
Juristin und Diplomatin a.D.