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Karlsruher attac-Gespräche
Brennpunkt: Naher Osten
vom 28. Januar bis 06. Februar 2003
Für die gegenwärtige US-Administration ist ein Krieg gegen den Irak ein integraler Bestandteil des nach den Anschlägen vom 11. September aufgenommenen globalen Krieg gegen den internationalen Terrorismus.
Während der amerikanische Truppenaufmarsch am Persischen Golf unvermindert weitergeht, formiert sich weltweit der zivile Widerstand gegen diesen Krieg. In manchen europäischen Ländern liegt der Anteil der Kriegsgegner bei weit über 90%.
Gleichwohl ist in weiten Teilen der Öffentlichkeit ein Informations- und Diskussionsbedarf erkennbar, der sich bei der Analyse der gegenwärtigen weltpolitischen Lage nicht mit simplistischen Deutungsmodellen zufrieden geben will, wie sie etwa Samuel Huntington ("Krieg der Kulturen") anzubieten hat, der als Exponent der neo-konservativen Denkschule schlechthin gelten darf. Der realpolitische Diskurs wird aber zur Zeit in weiten Teilen von eben diesem Erklärungsmodell bestimmt.
Voraussetzung für eine Diskussion sind Informationen - hilfreich sind mitunter aber auch Denkanstöße. Hier will attac mit den
Karlsruher attac-Gesprächen: Brennpunkt Naher Osten helfen, eine Lücke zu schließen: In einer vierteiligen Veranstaltungsreihe und den sich anschließenden Gesprächen sollen ausgewählte Themen behandelt und Diskussionsansätze angeboten werden.Jenseits parteipolitischer und ideologischer Gräben war bei der Auswahl der Referenten vor allem die Kompetenz in ihrem jeweiligen Bereich entscheidend. Das Spektrum ist dabei bewusst ausgeweitet worden, um auch spezifisch deutschen Fragestellungen innerhalb des Themenkomplexes "Naher Osten" Raum zu geben. Die Reihe wird durch einen medienanalytischen Beitrag eingeleitet. Die Vorträge finden im Januar und im Februar 2003 statt.
Vortrag von Sabine Schiffer MA, Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen
»Medien und Krieg - Über Märchen, Mythen und Berichterstattung«
Dienstag, 28. Januar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Im Irak ist heute nichts anders als vor 2 Jahren. Es wird nur darüber geredet. Das verstärkte Thematisieren von Vorgängen, die teilweise über ein Jahrzent zurückliegen, schafft aber den Eindruck eines erhöhten Bedrohungspotenzials, auf das die "informierte" Welt reagiert. Allerdings hat sich nach dem letzten Golfkrieg gezeigt, dass das Bedrohungspotenzial ein vermeintliches war und verdeckte und offene Manipulationen dazu dienten, den Krieg zu legitimieren. Warum finden diese Erkenntnisse in den Massenmedien keinen angemessenen Raum?
Moderne Kriegsführung ist ohne moderne Medien nicht möglich. Medienmanagement spielt in den Machtzentren der Welt eine zunehmend starke Rolle. Die berichteten Katastrophen verändern unsere Wahrnehmung der Welt. Vermeintliche Informationen entpuppen sich aber immer wieder als versteckte Legitima-tionsquellen für die zunehmende Aufrüstung zur Selbtverteidigung. Sind wir nun real in Gefahr oder wird ein Angstgefühl geschürt, um bestimmte politische Ziele durchzusetzen?
Der Prozess der Konstruktion von Medienwirklichkeiten ist nicht so undurchschaubar wie wir glauben. Anhand einschlägiger Beiträge aus unserem Medienumfeld werden wir mit unterschiedlichen Methoden erarbeiten, wie im Entstehungsprozess der medialen Äußerungen Meinungen, Manipulationen und Fehlinformationen als seriöse Berichterstattung ihr Ziel erreichen. Wir werden Techniken kennenlernen, die es uns ermöglichen, mit objektivierbaren Maßstäben und einem wachen Blick Medienbeiträge themenunabhängig beurteilen zu können.
Sabine Schiffer
ist Medienpädagogin an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Sie publiziert und hält Vorträge zum Thema Medienanalyse/Medienkritik.Vortrag von Dr. Ludwig Watzal, Bonn
»Die US-Nahostpolitik nach dem 11. September 2001«
Donnerstag, 30. Januar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die Agenda in den internationalen Beziehungen von Grund auf verändert. Die Bekämpfung des "inter-nationalen Terrorismus" in all seinen Schattierungen steht seither im Zentrum der amerikanischen Außenpolitik. Aspekte sozialer Gerechtigkeit, der Freiheit von Unterdrückung und Ausbeutung sowie das Rechtes auf Selbstbestimmung sind nicht nur in Verruf geraten, sondern werden als Terrorismus gebrandmarkt wie im Nahen Osten. Welche Nahostpolitik verfolgen die USA? Welches sind ihre Verbündeten? Geht es in dem bevorstehen Krieg gegen den Irak um das Auffinden von Massenvernichtungswaffen, Terrorbekämpfung, Demokratisierung autoritärer Regime oder um Öl? Wer sind die Verbündeten der USA in der Region? Welche Rolle spielen die EU und die NATO in den geopolitischen Überlegungen der Amerikaner?
Dr. Ludwig Watzal
, Nahostexperte und Lehrbeauftragter an der Universität Bonn, wird in seinem Vortrag versuchen, diese Fragen zu beantworten. Der Referent hat mehrere Bücher zum Nahostkonflikt geschrieben: Zuletzt erschienen: Feinde des Friedens. Der endlose Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, Aufbau Verlag, 2. Aufl., Berlin 2002.Vortrag von Dr. Heinz Loquai, Brigadegeneral a. D.
»Krieg als Mittel der Politik - Vom Balkan über Afghanistan in den Irak«
Dienstag, 04. Februar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Der Ruf "Nie wieder Krieg" ist in der deutschen Politik verhallt. Die Bundesregierung gefällt sich in ihrer wiedergefundenen deutschen Normalität, weltweit deutsche Soldaten einzusetzen. Die Militarisierung der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik erhielt einen kräftigen Schub durch die damalige Regierung mit der Beteiligung der Bundeswehr am Krieg gegen Jugoslawien im März 1999.
Im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus stellt Deutschland das zweitgrößte Kontingent. Auch an einem wahrscheinlich nicht mehr abzuwendenden Krieg gegen den Irak wird sich Deutschland, trotz gegenteiliger Beteuerungen, maßgeblich beteiligen.
Der Referent analysiert und diskutiert den Weg der deutschen Beteiligung am Luftkrieg gegen Jugoslawien und die Konsequenzen, die sich daraus ergaben. Er stellt die Entwicklung der NATO von einer Verteidigungs- zu einer Interventionsallianz dar und die daraus folgenden Auswirkungen für die Bundeswehr. Die im globalisierten Krieg gegen den Terrorismus und in dem bereits begonnenen imperialen Krieg gegen den Irak erkennbaren Tendenzen zum umfassenden Krieg werden thematisiert einschließlich der Rolle der Medien in diesen Kriegen.
Dr. Heinz Loquai
, Brigadegeneral a. D., war während seiner Dienstzeit im Verteidigungsministerium sechs Jahre auf dem Gebiet der Sicherheits- und Militärpolitik eingesetzt. Bei der deutschen NATO-Vertretung in Brüssel lernte er die NATO als Verteidigungsbündnis von innen kennen. Zum Abschluss seiner Dienstzeit (1995 bis 1999) war er Leiter einer Militärberatergruppe bei der deutschen OSZE-Vertretung in Wien. Er befasste sich dort mit der Abrüstung und Rüstungskontrolle, Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen und mit den Konflikten im ehemaligen Jugoslawien. Sein Buch "Der Kosovo-Konflikt - Wege in einen vermeidbaren Krieg" setzt sich kritisch mit der deutschen Politik während dieses Konflikts auseinander.Podiumsgespräch mit Dr. Ullrich Lochmann (attac Karlsruhe), Shraga Elam (israel. Journalist, Zürich), Dr. Hajo G. Meyer (Publizist und Holocaust-Überlebender, Niederlande)
»Der deutsch-israelische Dialog«
Donnerstag, 06. Februar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Der in München arbeitende jüdische Historiker Michael Wolffsohn vermutet in der jüngsten Bitte Israels an Deutschland um Waffen eine "konzertierte Aktion zwischen den Vereinigten Staaten und Israel". Der Grund dafür liege in der "Disziplinierung bundesdeutscher Außenpolitik" und diene dazu, diese "gegen sich selbst zur Vernunft" zu bringen und so eine "Rückführung der Bundesrepublik Deutschland in das westliche Lager" zu erwirken. Er stellt fest, dass man in Deutschland nicht zwischen einer Politik gegenüber den USA und einer Politik gegenüber Israel unterscheiden könne.
*In einer Zeit also, in welcher der Nahe Osten wieder in verstärktem Maße Projektionsfläche militärischer Macht der USA wird, rückt auch Israel in den Vordergrund der Diskussion. Hier aber wird die Lage für den deutschen Diskutanten prekär: Eine Positionsfindung kann nur vor dem Hintergrund des besonderen Verhältnisses zwischen Deutschland und Israel stattfinden.
Shraga Elam
ist ein in der Schweiz lebender israelischer, investigativer Journalist und Buchautor. Sein Fokus liegt auf dem israelisch-palästinensischen Konflikt und der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Er ist Mitbegründer der arabisch-israelischen Organisation "Koexistenz". Seit 2000 beobachtet und untersucht er die militärischen und politischen Planungen Israels und hat dazu einige Schriften veröffentlicht. Er ist Autor des Buches "Hitlers Fälscher", Ueberreuter Verlag, Wien 2000 und Ko-Autor von: "Die Schweiz am Pranger", Ueberreuter Verlag Wien, 1997.Dr. Hajo G. Meyer
wurde 1924 in Bielefeld geboren. Ihm gelang 1939 die Flucht in einem Kindertransport in die Niederlande. Nach mehreren Durchgangsstationen in Flüchtlingslagern arbeitete er als Landarbeiter und Maschinenschlosser, bis er schließlich nach der Besetzung der Niederlande in den Untergrund ging. Im März 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert. Nach der Befreiung kehrte er in die Niederlanden zurück und studierte theoretischen Physik. Bis 1984 arbeitete er in den Forschungslaboratorien von Philips, Niederlanden, zuletzt als leitender Direktor der Forschung von Philips. Seit seiner Pensionierung 1984 arbeitet Herr Meyer als selbstständiger Instrumentenbauer. Als Publizist interveniert er regelmäßig in der Diskussion über das deutsch-israelische Verhältnis.Dr. Ullrich Lochmann
studierte Theologie und war bis zu seiner Pensionierung Akademiedirektor für den Bereich Arbeit und Wirtschaft in der evangelischen Akademie Karlsruhe/Bad Herrenalb. Herr Lochmann ist ein Mitgründer von attac in Karlsruhe.*)
Michael Wolffsohn in "Berlin wird diszipliniert", Kölner Stadt-Anzeiger vom 2.12.2002Veranstalter dieser Vortragsreihe ist
attac Karlsruhe, Arbeitsgruppe "Krieg und Geld", in Kooperation mit dem Jubez/Stadtjugendausschuss e.V. und der freundlichen Unterstützung des Friedensbündnis Karlsruhe. Anstatt eines Eintritts wird um einen Unkostenbeitrag von 3 Euro gebeten.Veranstaltungsort: Jubez, Am Kronenplatz 1, 76133 Karlsruhe, Telefon (0721) 935193
http://www.attac-karlsruhe.de
ViSdP: Ionel Spanachi, Klauprechtstr. 22, Karlsruhe
| Dateiname: | Größe: | Kommentar: |
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| | 130 kB | PDF-Flyer zur Veranstaltungsreihe |
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Version r1.5 - 02 Sep 2005 - 23:09 GMT - AttacGast © 2002-2007 bei den jeweiligen Autoren. Ideen, Anfragen oder Probleme an den Webmaster senden. |