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EvianProteste03


Evian 2003, Berichte

Stichworte von ArneBab

> Das hier ist erstmal eine kurze Zusammenfassung, kein ganzer Bericht. Später wird es sicher mehr. Erstmal allerdings nur eine Liste von Stichwörtern. Es ist auch bisher nur meine Meinung. Scheut euch nicht etwas hinzuzufügen, oder alles durch einen richtig bearbeiteten Text zu ersetzen.
-- ArneBab

Die Proteste waren:


Bericht von Rasmus Grobe und Oliver Moldenhauer

Von: gruppen-bounces@listen.attac.de

Analyse und Kommentar zur Blockade des Evian-Gipfels bei Annemasse

Die Blockade der Route Nationale Annemasse-Evian war in vielfacher Hinsicht ein wichtiger Erfolg für unsere Bewegung.

Unser Ziel war es, eine der drei zentralen Zufahrtsstraßen zu blockieren. Das ist uns gelungen. Dadurch, dass zur gleichen Zeit bei Lausanne und zwei weitere Zufahrtswege durch Blockaden unpassierbar wurden, kamen Übersetzer, die für den Gipfel gebraucht wurden, nicht bis nach Evian durch und der Beginn des Gipfels musste wegen unserer Blockaden um einige Stunden verschoben werden.

Über 9 Stunden haben wir die Blockade der Straße aufrecht erhalten - länger, als das viele von uns vorher selbst erwartet hätten und länger als alle anderen Blockaden, die es während des G8-Gipfels gab.

Insbesondere in den den Medien der Bundesrepublik wurde die Blockade mit großer Aufmerksamkeit beachtet, sie war das herausragende Ereignis in der Berichterstattung rund über den G8-Gipfel an diesen Tag (z.B. in der Tagesschau). Besonders wichtig war diese Aktion aber auch für unsere Bewegung selbst: für alle, die dabei waren, waren es intensive und lehrreiche Tage. Viele, die nach Annemasse gefahren waren, hatten zuvor noch nie an einer Aktion Zivilen Ungehorsams teilgenommen. Aber auch viele Aktionserfahrenere war es eine neue Erfahrung mit Tränengas beschossen zu werden. Das Erleben von Polizeigewalt hat für die meisten auch ganz persönlich eine Erweiterung der eigenen Grenzen bedeutet. Das gilt auch für Erfahrungen mit Basisdemokratie vor und während der Aktion. Nicht zuletzt haben sich alle, die an der Aktion teilgenommen haben, in kurzer Zeit sehr intensiv kennengelernt - es sind Freundschaften und neue Kontakte entstanden - auch über Nationalitäten und Sprachgrenzen hinweg. Und auch für die Zusammenarbeit und das gegenseitige Kennenlernen unterschiedlicher Herangehensweise der Aktivisten verschiedener Länder war diese Aktion sehr wertvoll und erlebnis- und lehrreich.

Zum Erfolg dieser Aktion hat vieles beigetragen: vor allem natürlich die über 2000 Menschen, die die Aktion gemacht haben. Wichtig war aber auch die Erfahrung, die von vielen verschiedenen Menschen in die Vorbereitung eingebracht wurde: aus Deutschland von großen gewaltfreien Sitzblockaden wie X-tausendmal quer oder resist, aber auch aus Holland und den USA und natürlich die Erfahrungen der französischen Aktivisten. So kam es, dass es am Tag vor der Aktion ein internationales Aktionstraining stattfand, angeleitet von Aktivisten aus vier verschiedenen Ländern, die sich erst am Tag zuvor kennengelernt hatten.

Natürlich gibt es vieles, was anders und besser hätte laufen können. Wichtig war daher die Nachbereitung und Reflexion, um für zukünftige Aktionen lernen zu können.

Viel zu wenig Zeit war für die Vorbereitung, um zum Beispiel die Aktivisten aus anderen Ländern und Zusammenzuhängen kennenzulernen, die unterschiedlichen Kulturen und Erfahrungen mit Aktionen zivilen Ungehorsams und Demonstrationen auszutauschen und notwendige Vereinbarungen für die Blockade zu treffen. Vor und während der Aktion mussten auch Sprachbarrieren überwunden werden. Insbesondere die gemeinsame Entscheidungsfindung auf der Aktion waren nicht optimal. So gab es Unklarheit bei der Entscheidung die Blockade zu beenden. Hier fehlte unter anderem eine Einbindung aller AktionsteilnehmerInnen? in das Modell der Bezugsgruppen und des SprecherInnenrates?, ein bewusster Umgang mit Informationen und Gerüchten, vor allem aber wichtige Vereinbarungen, die im Vorfeld der Blockade hätten getroffen werden müssen, wie zum Beispiel ein Szenario für die Beendigung der Aktion.

Wenngleich es uns durch aktive Pressearbeit gelungen ist, für eine breite Berichterstattung über die Aktion in den Medien zu sorgen, war deren Tenor jedoch leider teilweise nicht in unserem Sinne. Wieder einmal mussten wir hier erfahren, dass Medien Meinung machen und es gilt daran zu arbeiten, das langsam zu verändern.

Einige Sachen sind aber auch einfach außerordentlich gut gelaufen. So war die schnelle und ausreichende Versorgung mit Essen und vor allem Wasser sehr wichtig und hat sehr zu der guten Stimmung auf der Aktion beigetragen. Hierbei haben auch einige AnwohnerInnen? mitgeholfen, die uns vor allem unterstützt haben, nachdem sie selber mit Tränengas beschossen wurden.

Ermutigend war die Vielfalt der Menschen, die an ihr teilgenommen haben - im Rahmen der Aktion gab es für alle eine Möglichkeiten, sich zu beteiligen - und alle waren wichtig: die vielen, die auf der Straße gesessen haben oder auch am Rand im Schatten, genauso aber auch diejenigen, die über viele Stunden ganz vorne Tränengrasgranten mit Grassoden und Wasser löschten oder die Barrikade verstärkten.

Für viele überraschend war auch der Umgang damit, dass einige Teilnehmer der Aktion mit ihren Handlungen sich außerhalb des Grundkonsenses für die Aktion bewegten. Gerade aber Entschlossenheit, die Blockade mit Mitteln des Zivilen Ungehorsams durchzuführen, hat wohl dazu beigetragen die Gewaltbereitschaft einiger weniger zu zügeln. Andererseits war es die Entschlossenheit und die Ausdauer derjenigen in den ersten Reihen, die auch den Mut der anderen wachsen ließ und zugleich die Blockade schützte. Dennoch wird es für die Zukunft wichtig sein zu überlegen, wie bei zukünftigen Aktion dafür gesorgt werden kann, dass eine Aktion Zivilen Ungehorsams auch eine gewaltfreie Aktion bleibt.

Wie geht es jetzt weiter?

Es ist wichtig, jetzt die Erfahrungen von Evian weiterzutragen in unsere Städte. Vielerorts wird es in den nächsten Tagen Report-Back-Veranstaltungen geben. In diesem Zusammenhang wird es wichtig sein, den G8-Gipfel in den Kontext zu bringen mit den Themen, die uns in Deutschland in den nächsten Monaten beschäftigen werden: die Agenda 2010 und der neoliberale Großangriff auf unsere Gesellschaft. Es wird unsere Aufgabe sein, einen attac-spezifischen Zugang zum drohenden Sozialabbau zu finden. Evian kann hier eine Brücke sein.

Für Attac und in die globalisierungskritische Bewegung gibt es in den nächsten Monaten einige Anlässe, die für eine Weiterführung des Protestes fortzusetzen. Einer davon wird die WTO-Ministerkonferenz im September in Canun sein. Der 9. September ist der internationale Aktionstag - parallel zu Aktionen in Cancun soll es überall auf der Welt Blockaden der WTO-Delegierten und ihrer Ministerien geben.

Es wird mehrere Möglichkeiten geben, um gemeinsam die Diskussion über Inhalte und Strategien fortzusetzen: im August die Sommerakademie in Münster, der Ratschlag im Herbst und das Europäische Sozialforum in Paris im November. Ganz wichtig ist es auch, die Erfahrungen von Evian weiterzutragen und für die weitere Arbeit von Attac zu nutzen. Dazu gehört vor allem die Erkenntnis, dass das Spektrum von Handlungsmöglichkeiten viel größer ist als die, die wir bisher genutzt haben. Wir haben erfahren, dass wir Zivilen Ungehorsam konkret umsetzen können und für viele ist die Schwelle jetzt niedriger, auch zu diesem Mittel zu greifen. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass unsere Aktionen auch im Verhältnis stehen müssen zu den Zielen, die wir erreichen wollen und vermittelbar sein müssen. Zudem ist Ziviler Ungehorsam auch nur unter bestimmten Bedingungen ein legitimes Mittel.

Wichtig ist auch, aus dieser Blockade zu lernen und die Lehren für künftige Aktionen Zivilen Ungehorsams zu berücksichtigen. - Wir sollten jedenfalls weiter daran arbeiten, übrigens auch an immer wieder neuen Aktionsformen - Vielleicht kann bald schon ziviler Ungehorsam im Internet genauso wirkungsvoll sein wie auf der Straße.

So kann es dann mehr und mehr auch in Deutschland auf den Straßen vor Ministerien, Großkonzernen und Gipfeln der Mächtigen dieser Welt heisst: ¡No Pasaran! - Nicht aus Revolutionsromantik, sondern weil wir damit Aufmerksamkeit für unsere Themen erringen können und unseren Protest gegen die ungerechte, tödliche Weltordnung ausdrücken können.

Rasmus Grobe und Oliver Moldenhauer

Version r1.4 - 05 Jun 2003 - 23:35 GMT - ArneBab
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