China Blue

Das "neue Zeitalter" in China, mit dem sich vor allem die Öffnung des Landes für den Welthandel verbindet, hat einen neuen Typus von Unternehmern wie Mr. Lam hervorgebracht. Die Textilfirma des ehemaligen Polizeichefs stellt Jeans für den westlichen Markt her. Millionen von Chinesen gelangen in wuchernde Phantomstädte wie das in Südchina gelegene Shax, wo sie sich in Firmen wie Lifeng für einen Hungerlohn verdingen. Doch auch der Profit des Fabrikbesitzers Lam fällt, gemessen an den Einnahmen der westlichen Einzelhändler, letzten Endes bescheiden aus.

Der Dokumentarfilm von Micha X. Peled porträtiert junge Menschen, die bei Lifeng sieben Tage pro Woche bis zur Erschöpfung arbeiten. Ihre Familien sehen sie oft ein ganzes Jahr nicht, weil sie sich die Reisekosten nicht leisten können. "China Blue" zeigt den ungeheuren Marktdruck, der auf Firmen wie Lifeng lastet, die für die westlichen Auftraggeber letztlich beliebig austauschbar sind. "China Blue" zeigt auch die harte Wirklichkeit in den Sweatshops der chinesischen Textilindustrie.

Der Film ist unter extrem schwierigen Bedingungen entstanden. Teilweise musste das Team von Micha X. Peled heimlich drehen, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Die Dreharbeiten wurden durch die chinesischen Behörden unterbrochen, Mitarbeiter der Filmcrew inhaftiert und verhört, Videobänder beschlagnahmt. Offenkundig haben weder der wilde Kapitalismus Chinas noch die Markenlabel im Westen ein Interesse daran, die Bedingungen, unter denen Kleidung entsteht, an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.