Wasser unterm Hammer

Der Film beschäftigt sich mit den Problemen, die durch die Privatisierung der Wasserversorgung in Europa entstanden sind. Befürworter und Gegner einer Privatisierung kommunaler Aufgaben kommen zu Wort, wobei kritische Untertöne überwiegen. Die Nachteile einer Betrachtungsweise, die nur auf Gewinnmaximierung bedacht ist, werden anhand von Beispielen aus Kiel, Hamburg, Berlin und London vor Augen geführt: Leckende Wasserrohre, leere Reservoirs, Entlassungen.

Am Beispiel der Londonerin Susanne Baker wird u.a. deutlich, wie wenig Interesse gerade internationale Konzerne an einzelnen Personen zeigen, zumal an solchen, die wenig solvent sind. Sie wohnt in London im fünften Stock. Wenn sie morgens aufsteht, schaut sie als erstes, ob Wasser aus dem Hahn kommt.

Die Wasserversorgung in England ist seit 1989 privatisiert. Rohre reparieren ist extrem teuer und bringt keinen Gewinn. So versickert die Hälfte des Trinkwassers in Londons Untergrund. Die maroden Zuleitungen bersten zu oft bei normalem Wasserdruck. So senkte ihn Thames Water (RWE) ab mit der Folge, dass das Wasser schon seit Jahren nicht immer und überall in die oberen Stockwerke steigt.

In Deutschland ist Wasser bisher noch fast überall ein öffentliches, kommunal verwaltetes Gut. Doch seit deutsche Gemeinden in Schulden versinken und die EU auf Liberalisierung drängt, schreitet die Privatisierung der Quelle allen Lebens auch hierzulande voran. In vielen deutschen Städten steht ein scheinbar profitabler Verkauf der eigenen meist tipptopp gewarteten Wasserwerke zur Debatte.

Akteure der großen Wasser-Geschäfte sind meist internationale Unternehmen. Der Film "Wasser unterm Hammer" dokumentiert sowohl Privatisierungskonzepte und -strategien als auch deren Probleme und Fragwürdigkeiten.

Um das Schuldenloch zu verkleinern, verkaufte Berlin seine Wasserwerke an zwei "Global Player": "Thames Water" gehört zum deutschen RWE-Konzern. "Veolia" ist ein französischer Riese. Seit 1999 halten beide knapp die Hälfte der Anteile. Die Wasserpreise werden über 30% steigen. Geheime Zusatzverträge garantieren den Privaten die volle Verfügungsgewalt und einen hohen Gewinn. Wenn dieser nicht erwirtschaftet werden kann, ist der Berliner Senat schadenersatzpflichtig. Ein Ausverkauf kommunaler Interessen?

Der Film zeigt auf dem Hintergrund englischer Privatisierungs-Erfahrungen den Gang des "Big-Deal" in verschiedenen deutschen Städten. Beispielsweise in Kiel, wo ein texanischer Konzern die Kieler Wasserwerke mit 51% unter seine Kontrolle brachte. Er wurde insolvent und zog davon - einen Berg Schulden hinterlassend. In Hamburg, einer Stadt mit "Spitzenwasser" aber leerer Kasse, heißt es immer wieder, eine Privatisierung stünde nicht mehr auf der Tagesordnung. Doch seit 1.Januar werden die Hamburger Wasserwerke von einem ausgewiesenen Privatisierungsmann geführt.

Infos zum Film auch unter

http://www.wasser-in-buergerhand.de/medien/wasser_unterm_hammer.htm

Das Landesmedienzentrum Baden Württemberg führt diesen Film in seinem Bestand:
Wasser unterm Hammer

Die Filmemacherin Leslie Franke dreht seit zwanzig Jahren Dokumentarfilme mit sozialpolitischem Hintergrund und hat bereits viele Preise gewonnen.
Attac zeigt im Rahmen des Filmfestival noch einen weiteren Film der Regisseurin: "Bahn unterm Hammer!" am Denstag, den 24.4. um 18.45 Uhr.